Das Tempo

Allgemein ist die Wahl des richtigen Tempos eine der schwierigsten Entscheidungen beim Spiel eines Orgelwerkes. Es gibt dabei Organisten, die ein Orgelwerk zwar fabelhaft notentechnisch eingeübt haben, die Entscheidung über das richtige Tempo jedoch vor Beginn des Spiels nicht treffen. Auf diese Weise wird diese Wahl in die ersten Takte verlagert, im schlimmsten Fall gar nicht getroffen und so ein ständig schwankendes Grundmetrum zugrunde gelegt.

Allgemein ist die Wahl eines Grundtempos unerlässlich – denn wie lange sollen bestimmte Töne erklingen, wenn deren Notenwert nicht in Relation zu anderen Notenwerten in einem gleichmäßigen Grundpuls gesetzt wird? Im Test würden daher beispielsweise verschiedene Personen unabhängig voneinander eine einzelne Achtelnote auf Anhieb unterschiedlich lange halten. Das Bezugssystem fehlt einfach.

Was aber ist jetzt das richtige Tempo für ein bestimmtes Orgelwerk?

Ein geeigneter Mittelweg zwischen behäbig langweiligem und einem irrsinnig halsbrecherischem Spiel muss hier gefunden werden. Allgemein werden viele Stücke in der heutigen Zeit zu schnell gespielt. Dort, wo Können und Virtuosität ein flinkes Spiel ermöglichen, werden gerne Grenzen ausgetestet und Rekorde gebrochen. Umgekehrt kann man gelegentlich immer wieder „Schlaftabletten“ erleben, die anscheinend schlecht oder gar scheinbar gut einstudierte Orgelwerke so spielen, als ob sie die Noten zum ersten Mal erblicken.

Der Königsweg ist hier vor allem das Erfassen und Darbieten eines Stücks aus der Ruhe heraus. Dort wo konzentriertes, innerlich gefestigtes Spiel eine solide Basis bietet, sind Sicherheit und Kontrolle bei allen Bewegungen zu spüren. So überträgt sich keinerlei Nervosität auf den Zuhörer und es bleibt genügend Spielraum, um von der reinen Spieltechnik aufzusehen und mit der Interpretation zu beginnen. Denn lebendige Musik bedeutet auch, dass über die Musik nicht hinweggeglitten wird, dass sie für den Zuhörer verständlich wird und daher ein Tempo gewählt wird, das der Musik gerecht wird.

Sicherheit im Spiel

Auch bei an sich schnellen Stücken sollte bei aller Virtuosität dennoch die innere Ruhe bewahrt werden. Schwierigste Stücke so zu spielen, als ob sie nicht mehr als ein Kinderlied sind und man auch bei häufigerem Wiederholen nicht atemlos und ausgebrannt zurückzubleibt, ist ein hohes Gut und benötigt einen hohen Grad an Reife seitens des Spielers.

Sicherlich gibt es auch Stücke, die ein extrem hohes Tempo vertragen und es ist bewundernswert, wenn ein Spieler dieses auch schafft. Doch Lebendigkeit entsteht nicht durch das bloße „Herabrasieren“ eines Stücks (so sehr es auch manchmal Spaß macht), sondern durch aufmerksame Auseinandersetzung mit dem Werk, durch die jeweilige Wahl eines wirklich angemessenen Tempos und durch ein atmendes und sangliches Spiel.

Erfahren Sie mehr über die Herangehensweise an neue Stücke unter effektives Üben oder gehen Sie allgemein zurück zu Orgelmusik.

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